Training: Schritt, die wichtigste Gangart

Der Schritt ist für das Fernwanderwild Pferd die wichtigste und natürlichste Gangart – sozusagen die Wohlfühl-Gangart. Er ist effizient, das Pferd verbraucht wenig Energie und Gelenke, Bänder sowie Sehnen werden keiner starken Belastung ausgesetzt. Im Schritt wird zudem der Hufmechanismus vermehrt angeregt.

Zugleich ist er auch die anspruchsvollste Gangart in unserer Arbeit mit dem Partner Pferd. Der Schritt ist ein 4-Takt ohne Schwebephase, das Pferd muss vermehrt seinen Hals zum Balancieren verwenden. Mängel in der Ausbildung zeigen sich hier deutlich und Taktstörungen, mangelnde Losgelassenheit und Verspannungen sind schnell erkennbar.

Leider wird diese wichtige Gangart oft vernachlässigt. Viele wissen auch gar nicht, wie man sein Pferd richtig im Schritt bewegt und gehen nur am Anfang und am Ende wenige Minuten Schritt am langen Zügel. Dabei ist diese Gangart sehr wichtig zur Gymnastizierung und zum Aufbau von Muskulatur und Kondition und sollte ein essenzieller Bestandteil des Trainings sein.

Ein guter Schritt wird durch folgende Dinge ausgezeichnet:

  • Klarer Vier-Takt
  • Raumgreifende Bewegung
  • Fleißig – nicht schlürfen, jedoch auch nicht eilig rennen
  • Deutliche V-Phase

Man unterscheidet generell zwischen Mittelschritt, starkem Schritt und versammeltem Schritt, wobei letzterer eine schwierige Lektion ist und zur höheren Ausbildung gehört.

Der Schritt ist außerdem die Gangart, in der man am wenigsten korrigieren kann. Im Schritt sieht man schnell, wo Pferd und Reiter nicht harmonisieren. Allein deshalb sollte großer Wert auf eine solide Ausbildung im Schritt gelegt werden und auch vermehrt darauf geachtet werden, dass man diese Gangart korrekt reitet.

Häufige reiterliche Fehler sind:

  • zu starkes bzw. zu viel Treiben
  • Steif mit den Händen
  • Verspannter Sitz
  • Treiben zum falschen Zeitpunkt
  • Schieben mit dem Becken
  • Zügel zu kurz/zu lang

Häufige Resultate der Fehler sind:

Das Pferd wird im Takt gestört, stumpft ab, klemmt, verspannt und widersetzt sich. Es wird aus dem Gleichgewicht gebracht und es entstehen Taktfehler. Bei zu kurzem Zügel wird der Schub aus der Hinterhand blockiert, eine raumgreifende Bewegung ist nicht möglich, das Pferd läuft auf der Vorhand. Die Schritte werden verkürzt. Manche Pferde neigen gar dazu, passartig zu laufen.

Bei zu langem Zügel fällt das Pferd auseinander und läuft auch hier auf der Vorhand.

Ist der Reiter verspannt, so verspannt sich automatisch auch das Pferd und wird in seinem natürlichen Bewegungsfluss gestört.

Doch wie reitet man denn nun richtig Schritt?

Beim Treiben ist es wichtig, abwechselnd zu treiben. Man sollte die Wade nur anlegen, nicht aktiv mittreiben. Die Hände sollten mit der Nickbewegung des Pferdekopfes locker mitgehen, der Sitz sollte entspannt sein und das Becken locker mit der Bewegung des Pferdes mitschwingen.

Das Training im Schritt ist auch alles andere als eintönig. Man hat viele Möglichkeiten, z.B.

  • Tempowechsel im Schritt
  • Übergänge Schritt-Halt
  • Volten und gebogene Linien
  • Seitengänge
  • Stangenarbeit und Trail-Hindernisse

All dies lässt sich nicht nur unter dem Reiter, sondern auch an der Hand und am Langzügel gut umsetzen. Es ist auch unabhängig von der Reitweise oder Zäumung. Vieles lässt sich zudem gut ins Gelände verlegen, so dass man nicht immer nur auf dem Reitplatz seine Runden drehen muss. Zudem hat das Gelände den Vorteil, dass sich das Pferd immer wieder auf neue Untergründe einstellen muss und somit automatisch noch mehr trainiert wird. Bergauf und –ab oder durch Bäche reiten sind weitere gute Übungen. Mindestens ein längerer Ausritt oder Spaziergang pro Woche (2-3 Stunden) im Schritt sollte in jedem Trainingsplan vorhanden sein.

Ich persönlich führe gern vor jedem Reiten ein paar Minuten Schritt. Das lockert nicht nur mein Pferd, ich kann mir dadurch auch viel Zeit beim Nachgurten lassen, wärme mich selbst ein wenig auf und bin lockerer, wenn ich auf’s Pferd steige.

Eine weitere Möglichkeit ist es, eine ausgiebige Aufwärmphase im Schritt mit allen möglichen Übungen ins Gelände zu verlegen, und danach auf den Platz zu wechseln. Das bringt Abwechslung in den alten Trott.

Warum also nicht beim nächsten Besuch im Stall eine neue Lektion im Schritt erarbeiten? Spricht nichts dagegen, oder?

Viel Spaß!

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